Sicherheit in Sambia

Sonntag 24.4.2016

Als wir in Lusaka ankamen, waren kurz vorher die Studenten auf der Straße um für pünktliches BAFöG und andere Missstände zu demonstrieren. Leider gibt es, wie überall, ein paar Chaoten, die dabei Autos demoliert haben. Da Sambia, eine sehr friedliche Nation ist, greift die Polizei sehr hart ein, wenn sich jemand nicht an Recht und Ordnung hält. In diesem Fall hat auch der Staat reagiert und kurzer Hand alle staatlichen Unis geschlossen. So viel ich weiß, ist das immer noch so.

Die Sambianer sind, so weit ich das bisher beurteilen kann, sehr freundliche, hilfsbereite und fröhliche Menschen. Ich kann tagsüber zu Fuss und alleine auf die Straße. Nachts sollte man dies aus verschiedenen Gründen unterlassen.
Da hier aber im Normalfall nie ein Weißer („Musungu“) zu Fuss geht, wurde ich die erste Zeit, in der ich kein eigenes Auto hatte und deshalb zu Fuss zum Einkaufen ging, sehr komisch angeschaut. So nach jedem Kilometer hielt ein Auto und fragte, ob ich ein Taxi bräuchte. Die Guards der Nachbarhäuser kannten mich nach einer Weile alle. Sie winkten mir und grüßten alle sehr freundlich. Selbst die Frauen auf der Straße, von denen Anfangs alle paar Meter eine auf mich zu kam und nach Arbeit fragte, gewöhnten sich an mich. Plötzlich hörte das Fragen auf. Ich war so bekannt wie ein bunter Hund. Eine Weiße, die ihren Einkauf alleine und zu Fuß nach Hause trägt!!!!

Da nicht alle wirklich englisch können, sondern nur das Nötigste an Vokabeln wissen, verstehen mich auch alle. Wir kommen wunderbar mit einzelnen Brocken und Händen und Füßen klar. Diejenigen, die eine Schule besucht haben, können richtig gut englisch. Aber auch die bemühen sich sehr mit mir.

Diese Freundlichkeit und Lebensfreude trotz der unglaublichen Armut ist kaum zu glauben. Schließlich leben auf engem Raum sehr sehr sehr sehr viele wirklich arme Menschen mit ein paar sehr Reichen. Es gibt durchaus einige Einheimische, die große Autos fahren und nur in den teuren Einkaufszentren einkaufen.

In den öffentlichen Bussen, das sind hier Transporter mit sechs Sitzen, von denen viele rum fahren, wird immer gesungen. Singen können alle Einheimischen wunderbar. Drei- oder vierstimmige Lieder tönen alle paar Meter aus den Fenstern der Busse, die meistens mit zehn Leuten vollgestopft sind.

Trotzdem warnen die Botschafter und Arbeitgeber vor so einigem. Vorallem vor dem Autofahren. Es ist nachts wirklich nicht ungefährlich. Bei einem Unfall mit einem weißen Autofahrer ist dann schnell mal der Weiße Schuld. Man sollte dann nicht aussteigen, die Türen verriegeln und zur nächsten Polizei fahren.

Außerdem wird zur Zeit vor Unruhen in einigen Vierteln gewarnt. Die Infos sind ziemlich unterschiedlich. Die Polizei sagt was anderes wie die Medien. Es geht um Ritualmorde von Ruandern. Sie schneiden wohl das beste Stück des Mannes ab. Laut Zeitungen wurde sowas in Gefriertruhen von Supermärkten gefunden die Ruander oder andere schwarze Ausländer führen. Die Polizei dementiert das aber und meint, die brauchen nur eine Rechtfertigung für Plünderungen dieser Geschäfte. Was soll man da glauben. Leo kauft eh nur in den Malls und ich hab so ein bestes Stück ja nicht.

Sonst passt man halt bisschen auf, wo man wann unterwegs ist. Bei uns zu Hause waren nur mal ein paar Halbstarke, die mit Steinen den Avokadobaum ernten wollten. Leider stehen dort auch unsere Autos. Der Guard hat sie schnell vertrieben.

Die Leute haben keine Arbeit, viele Kinder und Hunger.

Also, Todesfalle Nummer eins ist das Auto. Schlechte und betrunkene Autofahrer. Keine klare Regelung wie rechts vor links. An den Kreuzungen fährt der, der zu erst da war, als erster. Manchmal glaube ich sie lassen auch das größere Auto erst fahren. Nicht zu vergessen Linksverkehr. Immer erst nach rechts schauen vor dem Straßeüberqueren.

Die zweit schlimmste Bedrohung sind die Mücken gefolgt vom schlechten Wasser. In den Compounds ist mittlerweile Cholera ausgebrochen.

Vor den Menschen hab ich keine Angst. Oft hab ich schon bei Künstlern oder Handwerkern auf der Straße was gekauft. Z.B. Korbmöbel für 1000 Kwacha das sind ca. 90 Euro. Ein Dreisitzer, zwei Stühle und ein Tischchen. Die Hälfte zahlt man immer gleich und den Rest bei Lieferung. Anfangs dachte ich „oh je, keinen Namen und keine richtige Adresse“ aber es klappt immer. Sogar mit den Grusch für Touristen-Händlern.

Ein Bild, das ich auf einem Markt gekauft habe, wollte ich noch gerahmt haben. Also zahlte ich die Hälfte an und der Händler meinte, ich könnte es am nächsten Tag auf einem Markt bei mir in der Nähe abholen. Dann fiel mir erst ein, dass auf dem Markt hundert schwarze Verkäufer sind. Ich kann sie in der Masse immer noch schlecht wiedererkennen. Aber, als ich Sonntags auf den Markt ging, kam einer auf mich zu und meinte das Bild ist fertig. Die erkennen uns besser als wir sie.

Bis bald

Der Alltag

Dienstag 12.4.2016

Langsam verstehe ich die Aussagen, dass ich in Sambia keine Arbeit brauche, da es mir mit der Organisation des Alltags nicht langweilig werden wird.

Morgens um 9.00 Uhr kommt Miccah, meine Maid. Ihr musste ich erst einmal zeigen, dass wir die Böden mit Wasser reinigen. Sie hat bisher die Böden mit Cobra „gereinigt“. Cobra ist das Lieblingsputzzeug der Afrikaner. Es ist eine Art Wachs, das es als Paste und als Spray gibt. Es ist wichtig für die unversiegelten sambianischen Parketböden. Es sieht wie eine Schuhcreme aus und wird auf Knieen in den Boden eingerieben. Für Fliesen allerdings, hat es den Nachteil, dass jeder Dreck unter der Wachsschicht schön glänzt. Nachdem wir mit Stahlwolle die wirklich dreckigen Fliesen von ihrer jahrelangen glänzenden Dreckschicht befreit haben, putzt sie nun diese mit Wasser. Leider hab ich vergessen ihr zu erklären, dass das Wasser nur einen Schuss Reinigungsmittel braucht. Als das geklärt war, musste ich erkennen, dass ich noch erklären sollte, dass das Wasser auch warm sein sollte.
Wenn ich es jetzt noch schaffe, ihr klar zu machen, dass sie die Parkettböden weiterhin versiegeln darf, sollte es funktionieren.

Wäsche wird am liebsten mit der Hand gewaschen. Wahrscheinlich ist sie es gewöhnt, da ja so oft Stromausfall ist. Wir haben eine Waschmaschine, die haben wir entstaubt, entkalkt und geputzt. Zeiteinteilung ist aber nicht so die Stärke von allen Afrikanern. Um die Maschine zu benutzen, müsste man in den 8 Stunden, in denen Strom da ist, die Maschine einschalten. Wenn man aber in dieser Zeit lieber Staub wischt, muss man halt die Wäsche wie sie es sowieso am liebsten tut, wieder mit der Hand waschen. Leider leiden die Sachen durch das Rubbeln dabei sehr. Jetzt habe ich festgestellt, dass im Waschraum gar kein warmes Wasser ist… Kurz gesagt, wir waschen schon heimlich am Wochenende die Handtücher und Hemden in der Maschine.

In der Küche habe ich vom ersten Tag an das Ruder nicht aus der Hand gegeben. Kochen kann Miccah sowieso nur das Nschima, ein Maismehlpamp ohne Geschmack mit vielen Kohlenhydraten. Dazu essen die Afrikaner Tomatensauce oder gewässerten Trockenfisch, der unerträglich stinkt. Ausser dass sie es sich nicht nehmen lässt, die Granitplatte mit Cobra einzusprühen, tut sie Gott sei Dank nichts in der Küche.

Nun hab ich wieder Zeit alles andere zu organisieren:
1. Strom kaufen. Den muss man in der Poststelle bar im voraus bezahlen. Möglichst nicht zu viel auf einmal, weil er ab 100 Kwacha (10 Euro) ums dreifache teurer wird. Man bekommt eine Nummer, die man dann in seinen Stromzähler eintippt.
2. Internet kaufen. Ähnlich wie beim Strom muss man hier Prepaid-Karten besorgen. Die gibt’s aber überall. Auch beim Händler auf der Straße zwischen den Autos im Stau.
3. Steuern bezahlen. Auch die zahlt man in bar. Man steht bis zu 5 Stunden in der Schlange, um sein Geld los zu werden. Hier muss z.B. der Mieter die Steuer für den Vermieter bezahlen. Das erledigt bei uns Gott sei Dank der Leo. Er arbeitet ja oft vor Ort. Übrigens eine der ersten Verbesserungen die eingeführt werden, wird ein Wartenummernsystem sein. Dann können die Steuerzahler wenigstens mal aufs Klo gehen.
4. Telefonzeit kaufen. Ratet mal, in bar und im voraus. Man bekommt kleine Zettel mit Nummern die man dann ins Handy eintippt.
5. Müllmann zahlen. Jeden Monat in bar und im voraus.
6. Autoversicherung. Jährlich in bar im voraus.
7. Autosteuer. Jährlch natürlich an anderen Tagen, an anderer Stelle, in bar, im voraus.
8. TÜV heißt hier „road worthyness“. Jährlich bar…

Ab und zu muss ich noch einkaufen. Nicht zu viel, denn der Gefrierschrank funktioniert nicht. Es sollten aber alle zwei Tage 5 Kg Eiswürfel gekauft werden, damit die Ware im Kühlschrank nicht verdirbt, wenn täglich der Strom 8 bis 10 Stunden weg ist. Einmal war er auch schon 16 Stunden weg. Seit Vorgestern hat Leo die Autobatterien so umgebaut, dass die drei Inverter optimalst ausgelastet sind. Nun können wir immer Handyladen und Video schauen. Das Fernsehprogram muss man auch irgendwo kaufen. Wo wissen wir noch nicht, kriegen wir aber noch raus. Der Kühlschrank ist nun auch fast immer durchgehend versorgt. Mit Lichtern haben wir das Problem anders gelöst. Wir haben 5 verschiedene Solarlampen. Jede muss morgens wieder angesteckt werden. Wenn ich es vergesse … Habt ihr schon mal im dunkeln die Toilette besucht oder die Zähne geputzt? Wenn ich sage im dunkeln, dann meine ich wirklich im dunkeln. Hier gibt es keine Straßenlaternen. Hier hat auch kein Nachbar eine Aussenbeleuchtung.
Wenn man im Kühlschrank Ordnung hat, findet man auch im dunkeln das Bier. Liebe Freunde, ihr glaubt gar nicht, wie selbstverständlich man in der westlichen Welt die täglichen Annehmlichkeiten nimmt. Angefangen vom Radelfahren, das hier lebensgefährlich ist, über das freie aus dem Tor treten, ohne dass es einer aufsperren muss, bis zum Licht im Kühlschrank.

Übrigens, alle Sicherheitsfans sind hier fehl am Platz. Wolfgang Zeger, unser Elektriker in München, würde sein schwaches Herz an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Mein Gärtner wenn die Poolpumpe anstellt, steckt zwei offene Drähte in die Steckdose. Das bisserl Funkensprühen macht ihm nichts aus (seine Worte!).

Wenn er Äste von 20cm (!!!) Durchmesser mit seiner eigenartigen Machete schlägt, sitzt er barfuss im Baum auf 10m Höhe. Mit der Flex oder auch mit dem Schweissgerät wird hier umgegangen wie mit einem Küchenmixer.

Mein Vater sagt immer: „Arbeitsschutz geht uns alle an!“

Aber die Musungus, das sind wir Weißen, die bekommen einen Guard, der auf sie aufpasst. Möchte nicht wissen, was die sich manchmal denken.

Die Handwerker haben die Schonzeit nun auch hinter sich. Wir reden nichts mehr schön mit „Ist halt Afrika“ nein, wir haben gelernt, dass man beim Chef anrufen oder mailen muss, dann dauert jedes (fast jedes) Problem nur noch zwei Tage. Geht doch!

Zum Schluss noch ein paar Fotos, denn wer diesen Text gelesen hat, verdient noch was schönes.

Ich glaub mein „Block“ ist voll, ich brauche einen neuen.

Bis bald.