Gerissene Quatrizepssehne und andere Probleme

Juli 2018

Schon im Dezember 2017 ist während der Regenzeit ein Teil einer Mauer, die unser Grundstück umgibt, eingefallen. Im Mai dieses Jahres begannen nun endlich die Arbeiten, sie neu aufzubauen. Da dies wie erwartet sehr schlampig gemacht wurde, hat Leo den Arbeitern, die meist in unserem Garten ein Schläfchen hielten, die Meinung gesagt. Auf dem Rückweg ist er ausgerutscht, so dass er nicht mehr aufstehen konnte. Wie peinlich. Mit Hilfe von Sunday, habe ich Leo ins Haus geschleppt. Er hatte keine Chance den Fuß anzuheben. Da es Samstag war, war im Krankenhaus keine Rezeption besetzt. Die Schmerzen waren mittlerweile erträglich. Eine befreundete Physiotherapeutin aus der Schweiz, kam am Abend und brachte eine Beinschiene. Damit konnten wir bis Montag warten, um in das Krankenhaus zu fahren, in dem ein italienischer Orthopäde arbeitet. Wie schon gedacht, da Leo die gleiche Verletzung vor 16 Jahren am anderen Fuß hatte, war die Quatrizepssehne komplett abgerissen. Der Medizinische Dienst der GIZ war von uns schon am Sonntag informiert worden und der Arzt bestätigte, dass Leo in Deutschland oder Südafrika operiert werden muss. Dann ging alles erstaunlich schnell. Schon am Dienstag wurden wir mit dem Sanka von unserem Haus zum Flughafen gebracht. Nach ein paar kleinen Hindernissen ist Leo am Donnerstag in München operiert worden.

Er musste anschließend 6 Wochen in Deutschland bleiben. Da das mit unserem kompliziertem Leben in Lusaka nicht so einfach geht, bin ich nach vier Wochen erst mal alleine zurück. Ich wäre gerne noch ein bisser länger im warmen Sommer Deutschlands geblieben, noch dazu da hier in Sambia gerade Winter ist. Aber wie die meisten von euch schon wissen, muss man den Strom im voraus kaufen (der drohte auszugehen) und dann würde die Außenbeleuchtung, die Poolpumpe und der Kühlschrank versagen. Das Internet musste wieder bezahlt werden, sonst hätten sie uns das abgestellt. Beides geht nur bar. Außerdem warteten die Angestellten auf ihr Gehalt. Natürlich auch in bar. Unsere Katzen brauchten wieder Futter und Streicheleinheiten. Also musste ich zurück. Nun ist Leo wieder hier, hat fleißig Physio gehabt und kann mittlerweile sogar vorsichtig wieder Treppen steigen.

Die Mauer ist ohne unser dazutun aufgestellt. Der afrikanische Winter ist in den letzten Zügen. Es hatte nachts öfter mal 9 Grad. Tagsüber ist es zwar bis 24 Grad warm, aber durch den ständigen kalten Wind fühlt es sich an wie 12 Grad. Wenn die Sonne es nicht durch die Wolken schafft, ist es mehr als ungemütlich. Ihr solltet wissen, dass es keine Heizung gibt und die Häuser nicht isoliert sind. Die Fenster sind undicht und haben nur Einfachverglasung. Wenn nicht gerade Stromausfall ist, kann man wenigstens in die warme Badewanne steigen, die mit einem Boiler geheizt wird.

Zur Badewanne kann ich noch eine nette Geschichte erzählen. Letzte Woche habe ich mit meinen beiden Guards die Garage aufgeräumt. Da waren noch Sachen vom Vormieter drin. Nachdem sie ordentlich und geputzt war, habe ich die Beiden gefragt, ob ich ihnen eine Badewanne einlassen darf. Zuerst haben sie die Augen aufgerissen. Dann kam lautes Lachen. Als sie merkten, dass ich es Ernst meinte, kam scheues Kopfschütteln. Nach tausendmaligem Nachfragen, ob ich wirklich das Masterbad in unserem Haus meine, kam zuerst Sunday unter ständigem Gekicher von Beiden. Er genoss zum ersten Mal in seinem Leben ein warmes Bad in einer Wanne. Nachdem sich Lameck immer noch zierte, musste ihm Sunday erst zeigen, dass er nicht weiß wurde und die Haut noch gesund und schwarz ist. Dann ging auch er zum Baden.

Sonst ist alles wie gewohnt. Ich entdecke immer wieder neue Orte, an denen Kinder und Jugendliche ein trauriges Dasein fristen. Aber trotzdem ist die Grundstimmung immer fröhlich.
Diese Bilder sind von einem Platz, an dem ein Pater Straßenjungs ein Herberge bietet. Bis vor ein paar Wochen schliefen sie auf dem Betonboden ohne Decken (bei ca. 9 Grad nachts). Ich habe Schlafmatten besorgt und DISA hat 40 Decken gespendet.

Auch in der kleinen Compound-Schule konnte ich mit euren Spenden Tische und Bänke liefern.

Bei unserem Nachtguard Keegan und der Maid Esnart entwickelt sich eine Liebelei. Das hat lange gedauert, bis wir das erfahren haben. Aber warum nicht: Esnart ist Witwe und Keegan lebt in Scheidung. Auf jeden Fall bin ich froh, dies jetzt zu wissen, da es eine Menge Missverständnisse und Probleme, die auftraten, erklärt. Da von uns eine Art elterliche Verantwortung erwartet wird, haben wir einige Streitgespräche führen müssen, deren Sinn uns nicht ganz klar war. Nun, da wir wissen, dass zwei unserer Männer ein Auge auf Esnart haben und noch ein paar andere Eifersuchtsgeschichten im Hintergrund liefen, ist vieles klarer. Wir würden uns da ja gerne raushalten, das ist aber in dieser Kultur nicht möglich. Wir sind älter als unsere Leute und somit erfahrener und damit erwarten sie, wie kleine Kinder in Deutschland, dass Mama und Papa helfen. Leider erfährst du hier als Musungu immer nur einen Teil der Wahrheit. Wir müssen also scharf kombinieren und exakt nachfragen. Nur dann erzählen sie die Wahrheit. Nach fast drei Jahren lernt man so einiges.

Im August kommt mein Bruder mit Katja und Neo. Regina macht auch noch mal Urlaub in Lusaka. Wir freuen uns schon. Das wird der letzte Besuch sein, den wir hier haben. Es sei denn, es will noch jemand von euch kommen.

Bis bald