Gedanken im Rückblick – Fazit

Viele Fragen gehen uns durch den Kopf:

Was hat der Aufenthalt für Afrika gebracht? Was hat er mit uns gemacht?

Eine genaue Analyse ist uns nicht oder noch nicht möglich. Ich kann sagen, dass ich nicht eine Minute lang bereut habe, dieses Abenteuer eingegangen zu sein.
Natürlich gab es tausendmal Situationen in denen man sich fragt:“Was mache ich hier eigentlich“. Aber mit ein bisschen Abstand, kann man über vieles lachen. Bei einigen Dingen oder Situationen musste ich leider oftmals feststellen, dass meine Ideen oder Gedanken nicht kompatibel mit den Sambiern sind. Natürlich wollte ich niemals die deutsche Kultur einem Entwicklungsland aufzwingen. Trotzdem kommt man nicht aus seiner Haut und regt sich über Dinge auf, die für uns selbstverständlich sind, aber hier eben nicht.
In diesem Blog kann ich euch nicht alles erzählen, da Menschen, die nicht eingetaucht sind in dieses wunderschöne Land mit den wunderbaren Menschen und ihrer Kultur, einen falschen Eindruck bekommen würden.

Viele Verhaltensmuster erkennt und versteht man erst nach Jahren. Da sind selbst wir noch weit davon entfernt.

Oftmals denkt man, dass die Menschen undankbar oder einnehmend sind. Das hört man auch am Beginn dieses Blogs aus meinem Mund. Nach drei Jahren sehe ich das anders.
In Sambia hilft man sich innerhalb der Familie. Wenn jemand Geld verdient, unterstützt er die ganze Familie, die gerade kein Geld hat. Zu dieser Familie gehören auch Geschwister, Nichten, Neffen, Tanten, Schwiegerleute … Da ist es sehr schwer, selbst zu etwas zu kommen. Außerdem nennen sie jeden, der ihnen etwas gutes tut, Bruder oder Schwester. Manchmal sogar Mama und Papa. Das erklärt auch, warum einige drei mal frei brauchen, um zur Beerdigung der Mama zu gehen. Somit wächst auch die nicht blutsverwandte Familie. Manchmal werden sie zu einem Konflikt als Schlichter gerufen. Dann ist es für sie wichtiger für die Cousine oder den Onkel da zu sein, als pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Ein Sambier hat mir erklärt, dass sogar ein gutbezahlter Job nur befristet ist. Die Familie aber ist dein Leben lang für dich da.
Ist das nun gut oder schlecht?
Sollten wir pünktlichen, gewissenhaften Deutschen nicht darüber nachdenken anstatt zu schimpfen?
Die Situation ist natürlich verzwickt, wenn man selber Geld und Gut hat und nicht alles teilt. Wenn ich einmal an den Nachtguard ein Mückenspray ausgebe, weil mir gerade nach einem einem kleinen Geschenk für ihn ist, und er dann zwei Wochen später zu mir kommt und meint er bräuchte ein neues, das alte wäre leer, wie geht man damit um?

Pünktlich zu sein ist überhaupt nicht leicht hier. Straßen werden plötzlich gesperrt wegen Bauarbeiten. Dann ist es völlig egal, wie du damit zurecht kommst. Umleitungen gibt es nicht. Oder wenn der Präsident vorbei kommt, werden auch im Berufsverkehr die Straßen gesperrt. Da wartet man schon mal eine halbe Stunde. Die Deutschen haben die Uhr, die Sambier die Zeit.

Dann ist da noch die tief verwurzelte Macht der Geister, Zauberer und Hexen. Mein Gott, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Geschichten ich über verfluchte Leute oder magische Säfte und Pülverchen gehört habe. Das ist leider kein Witz und sollte man sehr ernst nehmen. Keegan litt eine ganze Weile Höllenqualen aus Angst vor unsichtbaren Hubschraubern, die ihm ein alter Mann aus seinem Heimatdorf hinterher schicken will. Nur weil ein Vorfahre etwas angestellt hat, müssen die Menschen Angst vor ihren Ahnen haben, die ihnen im Straßenverkehr totgeborene Kinder über die Augen legen und sie somit zu Tode kommen. Solche und ähnliche Geschichten hören wir auch von gebildeten Menschen.

Meine Maid erzählte mir, dass die sogenannten Heiler viel Macht haben. Sie wollen natürlich Geld für ihre Dienste. Manche versprechen einen Job, billigere Miete, ein längeres Geschlechtsteil, eine Ehefrau oder ähnliches. Wenn man nicht bezahlen kann, verlangen die Heiler Blut. Hinter vorgehaltener Hand gestand meine Maid, dass es Leute gibt die sogar ihre Kinder opfern.
In so ein Land bringen wir nun Computer, Handys, Steuern und andere moderne Dinge.
Wir sagen beide, dass Sambia ein Land ist, bei dem die meisten Menschen am Boden kochen, essen und schlafen und dabei fast jeder ein Handy am Ohr hat. Die momentane Generation muss sich mit modernster Technik auseinander setzen und geht abends heim in den Compound, um dann rund ums Feuer zu sitzen.

Wenn wir ehrlich sind, haben wir während unseres Aufenthaltes zwar einigen wenigen Menschen aus der totalen Armut geholfen, den Musikern ein reichhaltiges Repertoire an Musik und unseren Angestellten eine Zukunftsperspektive hinterlassen, einigen Kindern das Lesen und Rechnen beigebracht, aber sonst nicht viel erreicht. Meine persönliche Meinung ist: Solange andere Länder Millionen in dieses Land stecken, werden die Sambier sich nicht selber helfen. All diese Millionen sollten einzig und alleine in Bildung gesteckt werden, dann schaffen diese Menschen es von ganz alleine, ihr Land zu bestellen und zu beschützen. Nur denke ich, selbst wenn das möglich wäre, hätte die Regierung etwas dagegen. Gebildete Menschen können gefährlich werden.

Momentan sind Leo und ich soweit, dass wir die Sambier als Kinder sehen. Das meinen wir absolut nicht hochnäsig. Ganz ehrlich. Es macht so vieles leichter. Sie denken, reden und handeln fast alle wie Kinder. Ob sie jetzt ein Schrottauto kaufen und ohne Führerschein damit herumfahren oder ob sie anders ihr Geld auf unglaublich naive Art in den Sand setzen.

Wie sie einen um Gefallen oder Wertgegenstände fragen, alles geschieht wie wenn Kinder am Werk wären. Das ganze jetzt noch zurück in die fünfziger Jahre und dann versteht man ein wenig Land und Leute.

Im Finanzamt ist vieles auf den Weg gebracht worden. Einiges konnte noch nicht umgesetzt werden. Einiges hat sich verbessert, aber vieles braucht noch Jahre.

Fazit: Wir sind mit großen Hoffnungen und Erwartungen hierher gekommen, um den Sambiern zu helfen. Die Kappelmeiers können die Welt nur bunter und schöner machen, aber nicht retten!

ENDE

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