Die Mentalität

Donnerstag 5.5.2016

Es ist nicht einfach die Mentalität der Sambianer zu erklären. Wir werden sie auch in drei Jahren noch nicht durchschauen. Ich will euch nur erklären, warum es wichtig ist, dass nicht wir allein die Schulkinder unterstützen. Von allen Seiten, besonders von den Familien die hier schon Jahre leben, hören wir ständig, dass wir sehr vorsichtig mit Geschenken sein müssen. Grundsätzlich sind wir in den Augen der Afrikaner diejenigen mit dem vielen Geld. Sie versuchen immer wieder mehr und mehr aus uns heraus zu pressen. So etwas wie Zufriedenheit in punkto Bargeld wird es nie geben. Wir müssen versuchen, die Waage zwischen großzügigem Arbeitgeber und protzigem Gönner waren. Wir brauchen ganz strikte Regeln, was wann bezahlt wird. Schenkst du einmal ein Mückenspray, erwarten sie, dass du ein neues kaufst wenn das alte leer ist. Da ich Miccah einmal eine Salbe für ihren Fuß gekauft habe und ein zweites mal Schmerztabletten, erwartet sie nun jedesmal, wenn sie Medikamente benötigt, dass ich diese zahle. Das sind nur ein paar Beispiele, die wir hier wöchentlich erleben.

Als ich einmal die Frau von Thomas ins Krankenhaus gefahren habe, standen Miccah und Mr. Zulu bei der Ankunft zu Hause schon im Hof und wollten, dass ich sie zu ihrer kranken Schwester fahre. Es kommt dazu, dass es hier eine „Neidgesellschaft“ ist. Deshalb wird es als ungerecht empfunden, wenn wir bei einem 8 Kinder, beim anderen 3 oder nur ein Kind unterstützen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Sie haben es nicht anders gelernt. Ich bin selbst erstaunt, dass ich diese Bettelei mittlerweile cooler sehe und mein schlechtes Gewissen soweit abnimmt, dass ich durchaus auch nein sagen kann. Das kostet zwar Überwindung, ist aber laut meiner Bekannten überlebenswichtig.

Wenn ich also sagen kann, dass wir Sponsoren aus Deutschland gefunden haben, dann ist ihnen klar, dass wir helfen wollen, aber keine Goldbarren im Keller haben. Ausserdem habe ich eine Rechtfertigung, wenn das Geld aus ist und die Zahlungen versiegen. Dann seid nämlich ihr Schuld und nicht wir. Haha, kleiner Scherz mit einem ernsten Hintergrund …

So viel zur Erklärung.
Bis bald

Hilfe für Schulkinder

Montag 2.5.2016

Wie schon öfter erwähnt, sind viele Menschen hier arm und die meisten sehr arm. Der Mindestlohn beträgt 700 Kwacha. Das sind ca. 70 Euro im Monat. Unsere Guards verdienen je nach Schicht zwischen 99 Euro und 180 Euro im Monat. Das sind die empfohlenen Gehälter.

Ich bin nun in einem Club, der sich um verschiedene wichtige Dinge kümmert. Beim letzten Treffen kam z.B. eine Schuldirektorin mit drei ihrer Schülerinnen zum Meeting und bedankte sich für die Lehrerin, die der Club organisiert und bezahlt hat. Diese Lehrerin hat den Mädchen etwas über Hygiene und Sexualität gelehrt. Bis dahin, sind die Mädchen wärend ihrer Periode aus Scham meist gar nicht zur Schule gegangen. Sie besitzen zum Teil keine Unterhosen und behelfen sich mit Blättern oder Zeitungen wärend der Blutung. Das zieht natürlich Infektionen nach sich. Nun haben wir jedem Mädchen dieser Schule zwei Unterhosen und drei waschbare Binden geschenkt und dazu eine Aufklärung. Nicht zuletzt über AIDS und die Rechte der Mädchen. Es gibt noch unzählige schöne und wichtige Projekte dieser Art. Aber…..

Leo und ich sind nach langem Überlegen und auch wegen unserer Unerfahrenheit zu der Überzeugung gekommen, dass diese großen Dinge die Organisationen besser im Griff haben als wir. Wir wollen helfen bei Dingen, die wir organisieren und überwachen können. Also fangen wir klein an.

Unser Wunsch wäre, dass alle Kinder, der uns nahestehenden Personen in die Schule gehen können.
Daher fragen wir auf diesem Wege, wer einen finanziellen Beitrag dazu leisten will und kann.

Details:
Keegan, unser Nachtwächter ist 35 Jahre. Ein immer gutgelaunter, lustiger und lebensfroher Bursche. Er studiert tagsüber Lehramt, immer wenn er Geld für ein Semester gespart hat. Von uns hat er sich für das letzte Semester und die dazugehörende Abschlussprüfung 300 Euro geliehen. Er will es in monatlichen Raten von 50 Euro zurückzahlen. Versteht uns nicht falsch, natürlich könnten wir die 300 Euro verschmerzen, aber das wäre hier der falsche Weg. Die Problematik dabei erzähle ich ein ander mal. Nachts ist er bei uns Wächter und am Wochenende arbeitet er durchgängig als Wächter und Gärtner bei Leos Chefin. Keegan hat drei Kinder.

Thomas, unser Wochenendguard ist ein zuverlässiger, stiller und dankbarer Mensch.

Er arbeitet von Samstag 17.00 Uhr bis Montag 7.00 durchgängig als Wächter bei uns. Tagsüber schläft oder döst er zwischendurch mal eine Stunde.
Thomas hat acht Kinder.

Der älteste Sohn ist 24 Jahre. Er heißt Simon und hat die Schule schon beendet. Da sein Vater Thomas, das Geld für die Abschlussprüfung nicht bezahlen kann, hat er seine Zeugnisse immer noch nicht ausgehändigt bekommen.

Simon findet keine Arbeit. Er wird künftig als Springer bei Ausfällen bei uns arbeiten. Eigentlich würde er gerne Geografie studieren. Um die seit Jahren fehlenden Prüfungsgebüren zu bezahlen, fehlen Thomas 170 Euro.
Der zweitgeborene Samson, 21 Jahre alt, macht dieses Jahr den Abschluss. Da wird das selbe Problem auftreten.
Josephine ist 18 Jahre und wohl sehr intelligent. Sie möchte Lehrerin oder Ärztin werden.
Bupe (ein Mädchen) ist 15 Jahre. Thomas ist 12 Jahre, Mirriam 10 und Nicolas 6 Jahre.

Vor drei Wochen kam Foster zur Welt. Thomas meint, das wäre hoffentlich das letzte Kind.

Miccah, meine Maid und ihr Mann Mister Zulu, haben schon erwachsene Kinder. Nur die jüngste Bethar lebt mit ihnen hier am Grundstück. Bethar ist 14 Jahre alt.

Die staatliche Schule ist in den unteren Klasse umsonst oder sehr billig. Nur die Schuluniform, Arbeitsmaterial und Mittagessen stehen auf den Rechnungen. In den höheren Klassen kostet die Schule etwa 100 Euro im Jahr. Die Schülerzahlen sind in den staatlichen Schulen unvorstellbar hoch. So ca. 40 bis 50 Schüler pro Klasse. Genauere Zahlen hab ich noch nicht nachgewiesen bekommen. Ich schicke aber Fotos, sobald ich mehr darüber weiß.
Private Schulen sind ein wenig teurer aber viel besser. Wir haben Rechnungen von 140 Euro im Jahr bei den unteren Klassen und momentan kein Kind auf einer Privatschule in den höheren Klassen.
Von jedem Kind haben wir Schuldokumente gefordert und diejenigen, die wir schon haben (von Thomas‘ Kindern haben wir alle, wie gesagt, er ist zuverlässig) auch kopiert.

Wer mir also so vertraut, dass ich eure Spenden sinnvoll verteile, und bereit ist auf eine Spendenquittung zu verzichten, der kann auf das Konto DE30 2004 1111 0180 8724 00 (Kontoinhaber: Martina Kappelmeier) [aktualisiert, Postbank-Konto habe ich gelöscht] Verwendungszweck „Schulgeld“ einen Beitrag dazu leisten. Je nachdem wie viel wir zusammen bekommen, können wir vielleicht auch Studien finanzieren oder einige Kinder auf private Schulen schicken.
Ich verspreche das Geld vorsichtig und gerecht einzusetzen und genau zu informieren, was damit getan wurde oder wird.
Vielen Dank im Voraus!

Bis bald

Sicherheit in Sambia

Sonntag 24.4.2016

Als wir in Lusaka ankamen, waren kurz vorher die Studenten auf der Straße um für pünktliches BAFöG und andere Missstände zu demonstrieren. Leider gibt es, wie überall, ein paar Chaoten, die dabei Autos demoliert haben. Da Sambia, eine sehr friedliche Nation ist, greift die Polizei sehr hart ein, wenn sich jemand nicht an Recht und Ordnung hält. In diesem Fall hat auch der Staat reagiert und kurzer Hand alle staatlichen Unis geschlossen. So viel ich weiß, ist das immer noch so.

Die Sambianer sind, so weit ich das bisher beurteilen kann, sehr freundliche, hilfsbereite und fröhliche Menschen. Ich kann tagsüber zu Fuss und alleine auf die Straße. Nachts sollte man dies aus verschiedenen Gründen unterlassen.
Da hier aber im Normalfall nie ein Weißer („Musungu“) zu Fuss geht, wurde ich die erste Zeit, in der ich kein eigenes Auto hatte und deshalb zu Fuss zum Einkaufen ging, sehr komisch angeschaut. So nach jedem Kilometer hielt ein Auto und fragte, ob ich ein Taxi bräuchte. Die Guards der Nachbarhäuser kannten mich nach einer Weile alle. Sie winkten mir und grüßten alle sehr freundlich. Selbst die Frauen auf der Straße, von denen Anfangs alle paar Meter eine auf mich zu kam und nach Arbeit fragte, gewöhnten sich an mich. Plötzlich hörte das Fragen auf. Ich war so bekannt wie ein bunter Hund. Eine Weiße, die ihren Einkauf alleine und zu Fuß nach Hause trägt!!!!

Da nicht alle wirklich englisch können, sondern nur das Nötigste an Vokabeln wissen, verstehen mich auch alle. Wir kommen wunderbar mit einzelnen Brocken und Händen und Füßen klar. Diejenigen, die eine Schule besucht haben, können richtig gut englisch. Aber auch die bemühen sich sehr mit mir.

Diese Freundlichkeit und Lebensfreude trotz der unglaublichen Armut ist kaum zu glauben. Schließlich leben auf engem Raum sehr sehr sehr sehr viele wirklich arme Menschen mit ein paar sehr Reichen. Es gibt durchaus einige Einheimische, die große Autos fahren und nur in den teuren Einkaufszentren einkaufen.

In den öffentlichen Bussen, das sind hier Transporter mit sechs Sitzen, von denen viele rum fahren, wird immer gesungen. Singen können alle Einheimischen wunderbar. Drei- oder vierstimmige Lieder tönen alle paar Meter aus den Fenstern der Busse, die meistens mit zehn Leuten vollgestopft sind.

Trotzdem warnen die Botschafter und Arbeitgeber vor so einigem. Vorallem vor dem Autofahren. Es ist nachts wirklich nicht ungefährlich. Bei einem Unfall mit einem weißen Autofahrer ist dann schnell mal der Weiße Schuld. Man sollte dann nicht aussteigen, die Türen verriegeln und zur nächsten Polizei fahren.

Außerdem wird zur Zeit vor Unruhen in einigen Vierteln gewarnt. Die Infos sind ziemlich unterschiedlich. Die Polizei sagt was anderes wie die Medien. Es geht um Ritualmorde von Ruandern. Sie schneiden wohl das beste Stück des Mannes ab. Laut Zeitungen wurde sowas in Gefriertruhen von Supermärkten gefunden die Ruander oder andere schwarze Ausländer führen. Die Polizei dementiert das aber und meint, die brauchen nur eine Rechtfertigung für Plünderungen dieser Geschäfte. Was soll man da glauben. Leo kauft eh nur in den Malls und ich hab so ein bestes Stück ja nicht.

Sonst passt man halt bisschen auf, wo man wann unterwegs ist. Bei uns zu Hause waren nur mal ein paar Halbstarke, die mit Steinen den Avokadobaum ernten wollten. Leider stehen dort auch unsere Autos. Der Guard hat sie schnell vertrieben.

Die Leute haben keine Arbeit, viele Kinder und Hunger.

Also, Todesfalle Nummer eins ist das Auto. Schlechte und betrunkene Autofahrer. Keine klare Regelung wie rechts vor links. An den Kreuzungen fährt der, der zu erst da war, als erster. Manchmal glaube ich sie lassen auch das größere Auto erst fahren. Nicht zu vergessen Linksverkehr. Immer erst nach rechts schauen vor dem Straßeüberqueren.

Die zweit schlimmste Bedrohung sind die Mücken gefolgt vom schlechten Wasser. In den Compounds ist mittlerweile Cholera ausgebrochen.

Vor den Menschen hab ich keine Angst. Oft hab ich schon bei Künstlern oder Handwerkern auf der Straße was gekauft. Z.B. Korbmöbel für 1000 Kwacha das sind ca. 90 Euro. Ein Dreisitzer, zwei Stühle und ein Tischchen. Die Hälfte zahlt man immer gleich und den Rest bei Lieferung. Anfangs dachte ich „oh je, keinen Namen und keine richtige Adresse“ aber es klappt immer. Sogar mit den Grusch für Touristen-Händlern.

Ein Bild, das ich auf einem Markt gekauft habe, wollte ich noch gerahmt haben. Also zahlte ich die Hälfte an und der Händler meinte, ich könnte es am nächsten Tag auf einem Markt bei mir in der Nähe abholen. Dann fiel mir erst ein, dass auf dem Markt hundert schwarze Verkäufer sind. Ich kann sie in der Masse immer noch schlecht wiedererkennen. Aber, als ich Sonntags auf den Markt ging, kam einer auf mich zu und meinte das Bild ist fertig. Die erkennen uns besser als wir sie.

Bis bald

Der Alltag

Dienstag 12.4.2016

Langsam verstehe ich die Aussagen, dass ich in Sambia keine Arbeit brauche, da es mir mit der Organisation des Alltags nicht langweilig werden wird.

Morgens um 9.00 Uhr kommt Miccah, meine Maid. Ihr musste ich erst einmal zeigen, dass wir die Böden mit Wasser reinigen. Sie hat bisher die Böden mit Cobra „gereinigt“. Cobra ist das Lieblingsputzzeug der Afrikaner. Es ist eine Art Wachs, das es als Paste und als Spray gibt. Es ist wichtig für die unversiegelten sambianischen Parketböden. Es sieht wie eine Schuhcreme aus und wird auf Knieen in den Boden eingerieben. Für Fliesen allerdings, hat es den Nachteil, dass jeder Dreck unter der Wachsschicht schön glänzt. Nachdem wir mit Stahlwolle die wirklich dreckigen Fliesen von ihrer jahrelangen glänzenden Dreckschicht befreit haben, putzt sie nun diese mit Wasser. Leider hab ich vergessen ihr zu erklären, dass das Wasser nur einen Schuss Reinigungsmittel braucht. Als das geklärt war, musste ich erkennen, dass ich noch erklären sollte, dass das Wasser auch warm sein sollte.
Wenn ich es jetzt noch schaffe, ihr klar zu machen, dass sie die Parkettböden weiterhin versiegeln darf, sollte es funktionieren.

Wäsche wird am liebsten mit der Hand gewaschen. Wahrscheinlich ist sie es gewöhnt, da ja so oft Stromausfall ist. Wir haben eine Waschmaschine, die haben wir entstaubt, entkalkt und geputzt. Zeiteinteilung ist aber nicht so die Stärke von allen Afrikanern. Um die Maschine zu benutzen, müsste man in den 8 Stunden, in denen Strom da ist, die Maschine einschalten. Wenn man aber in dieser Zeit lieber Staub wischt, muss man halt die Wäsche wie sie es sowieso am liebsten tut, wieder mit der Hand waschen. Leider leiden die Sachen durch das Rubbeln dabei sehr. Jetzt habe ich festgestellt, dass im Waschraum gar kein warmes Wasser ist… Kurz gesagt, wir waschen schon heimlich am Wochenende die Handtücher und Hemden in der Maschine.

In der Küche habe ich vom ersten Tag an das Ruder nicht aus der Hand gegeben. Kochen kann Miccah sowieso nur das Nschima, ein Maismehlpamp ohne Geschmack mit vielen Kohlenhydraten. Dazu essen die Afrikaner Tomatensauce oder gewässerten Trockenfisch, der unerträglich stinkt. Ausser dass sie es sich nicht nehmen lässt, die Granitplatte mit Cobra einzusprühen, tut sie Gott sei Dank nichts in der Küche.

Nun hab ich wieder Zeit alles andere zu organisieren:
1. Strom kaufen. Den muss man in der Poststelle bar im voraus bezahlen. Möglichst nicht zu viel auf einmal, weil er ab 100 Kwacha (10 Euro) ums dreifache teurer wird. Man bekommt eine Nummer, die man dann in seinen Stromzähler eintippt.
2. Internet kaufen. Ähnlich wie beim Strom muss man hier Prepaid-Karten besorgen. Die gibt’s aber überall. Auch beim Händler auf der Straße zwischen den Autos im Stau.
3. Steuern bezahlen. Auch die zahlt man in bar. Man steht bis zu 5 Stunden in der Schlange, um sein Geld los zu werden. Hier muss z.B. der Mieter die Steuer für den Vermieter bezahlen. Das erledigt bei uns Gott sei Dank der Leo. Er arbeitet ja oft vor Ort. Übrigens eine der ersten Verbesserungen die eingeführt werden, wird ein Wartenummernsystem sein. Dann können die Steuerzahler wenigstens mal aufs Klo gehen.
4. Telefonzeit kaufen. Ratet mal, in bar und im voraus. Man bekommt kleine Zettel mit Nummern die man dann ins Handy eintippt.
5. Müllmann zahlen. Jeden Monat in bar und im voraus.
6. Autoversicherung. Jährlich in bar im voraus.
7. Autosteuer. Jährlch natürlich an anderen Tagen, an anderer Stelle, in bar, im voraus.
8. TÜV heißt hier „road worthyness“. Jährlich bar…

Ab und zu muss ich noch einkaufen. Nicht zu viel, denn der Gefrierschrank funktioniert nicht. Es sollten aber alle zwei Tage 5 Kg Eiswürfel gekauft werden, damit die Ware im Kühlschrank nicht verdirbt, wenn täglich der Strom 8 bis 10 Stunden weg ist. Einmal war er auch schon 16 Stunden weg. Seit Vorgestern hat Leo die Autobatterien so umgebaut, dass die drei Inverter optimalst ausgelastet sind. Nun können wir immer Handyladen und Video schauen. Das Fernsehprogram muss man auch irgendwo kaufen. Wo wissen wir noch nicht, kriegen wir aber noch raus. Der Kühlschrank ist nun auch fast immer durchgehend versorgt. Mit Lichtern haben wir das Problem anders gelöst. Wir haben 5 verschiedene Solarlampen. Jede muss morgens wieder angesteckt werden. Wenn ich es vergesse … Habt ihr schon mal im dunkeln die Toilette besucht oder die Zähne geputzt? Wenn ich sage im dunkeln, dann meine ich wirklich im dunkeln. Hier gibt es keine Straßenlaternen. Hier hat auch kein Nachbar eine Aussenbeleuchtung.
Wenn man im Kühlschrank Ordnung hat, findet man auch im dunkeln das Bier. Liebe Freunde, ihr glaubt gar nicht, wie selbstverständlich man in der westlichen Welt die täglichen Annehmlichkeiten nimmt. Angefangen vom Radelfahren, das hier lebensgefährlich ist, über das freie aus dem Tor treten, ohne dass es einer aufsperren muss, bis zum Licht im Kühlschrank.

Übrigens, alle Sicherheitsfans sind hier fehl am Platz. Wolfgang Zeger, unser Elektriker in München, würde sein schwaches Herz an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Mein Gärtner wenn die Poolpumpe anstellt, steckt zwei offene Drähte in die Steckdose. Das bisserl Funkensprühen macht ihm nichts aus (seine Worte!).

Wenn er Äste von 20cm (!!!) Durchmesser mit seiner eigenartigen Machete schlägt, sitzt er barfuss im Baum auf 10m Höhe. Mit der Flex oder auch mit dem Schweissgerät wird hier umgegangen wie mit einem Küchenmixer.

Mein Vater sagt immer: „Arbeitsschutz geht uns alle an!“

Aber die Musungus, das sind wir Weißen, die bekommen einen Guard, der auf sie aufpasst. Möchte nicht wissen, was die sich manchmal denken.

Die Handwerker haben die Schonzeit nun auch hinter sich. Wir reden nichts mehr schön mit „Ist halt Afrika“ nein, wir haben gelernt, dass man beim Chef anrufen oder mailen muss, dann dauert jedes (fast jedes) Problem nur noch zwei Tage. Geht doch!

Zum Schluss noch ein paar Fotos, denn wer diesen Text gelesen hat, verdient noch was schönes.

Ich glaub mein „Block“ ist voll, ich brauche einen neuen.

Bis bald.

Urlaub in Botswana

31.März 2016

Ich bedanke mich bei allen Lesern für die netten Kommentare und freue mich, dass immer mehr diesen Blog lesen wollen.
Der Pool ist fertig!
Der Boiler noch nicht.

Was solls, wir sind über Ostern nach Livingstone gefahren. Die Anreise ist sehr anstrengend. Die Straßen aber relativ gut. Trotzdem braucht man 6-7 Stunden.

Benzin war über Ostern nirgends zu bekommen. Gut dass wir vorgewarnt waren und voll getankt hatten. Einen grünen Reservetank für 20 Liter besitzen wir nun auch. Aufregend wurde es nur zur Rückfahrt. Da haben wir Gott sei Dank eine Tankstelle gefunden, die gerade beliefert wurde. Man musste halt in der Afrikasonne drei Stunden warten, dann konnten wir wieder voll tanken.

Zufällig haben wir einen Umzug aus allen Provinzen gesehen.

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Livingstone ist eine Stadt in Sambia, die bekannt für seine Wasserfälle ist. Die Victoria Falls.

Wieder zufällig waren wir bei Vollmond da und dann kann man den Lunar Rainbow sehen. Ein Regenbogen ohne Farben. Wir sind zwischen 20 Uhr und 21 Uhr dort gewesen. Es war stockdunkel und man steht mitten im Wald. Man kann nur die Zentimeter vor den Füßen sehen, die man mit der Taschenlampe anleuchtet. Da Sambia nicht sehr touristisch ist, waren wir zwei da ganz alleine. War sehr romantisch, aber auch unheimlich gruselig. Die Frösche, die nachts herumhüpfen könnten ja auch giftig sein. Ganz abgesehen von anderem Getier, das sich aber nicht gezeigt hat. Von diesem Mondbogen gibt es leider keine Bilder, da es viel zu dunkel war.

Am nächsten Morgen buchten wir eine Wasser- und Landsafari in Botswana. Nach ca. einer Stunde Busfahrt, ist man dort. Dann sind wir auf kleine Safariautos umgestiegen und in ein riesiges Naturschutzgebiet gefahren worden. In diesem Park gibt es die größte Elefantenpopulation.

Ich war sehr überrascht, wie nahe man den Tieren kommt. Die Autos fahren nur am Fluss einen oder zwei Kilometer auf und ab. Die Tiere hätten also genug Rückzugsmöglichkeiten. Noch dazu, da ja gerade Regenzeit ist und es im Busch auch Wasserlöcher gibt. Aber für uns war es natürlich herrlich, dass so viele ungestört von den Autos am Ufer grasten.

Endlich ist nun auch der Container angekommen. Das war auch spannend. Das Ausladen lief etwas anders als das Einladen. Aber es geht auch so.

Ein zweites Auto haben wir auch gekauft. Nun bin ich auch mobil.

Gleich heute war ich bei meiner Englischlehrerin. Sie ist Sambianerin und unterrichtet in einer Mädchenschule. Dort wohnt sie auch. Der Unterricht findet bei ihr zu Hause statt. In einem winzigen Haus mit einem winzigem Zimmer auf einem noch winzigerem Tisch, der wackelt wie ein Kuhschwanz.
Dieses Mal waren es viele Bilder. So schöne Ausflüge gibt es halt nicht oft.
Bis bald

Die ersten Bekanntschaften

Montag 21. März

Im Haus gibt es immer wieder Überraschungen in baulicher Hinsicht. Z.B. platzt nachts der Warmwasser-Boiler. Gott sei Dank hängt der draussen am Haus. Heisses Wasser kommt in Fontänen herausgespritzt. Die Abflusssiebe in der Küche sind total durchgerostet usw. Übrigens der Filter fürs Pool kam nach vielen Anfragen gestern. Leider fehlt immer noch was, um ihn auch zum Laufen zu bringen. Die ganze Woche habe ich auf Handwerker gewartet oder saß zu Hause, weil welche da waren. Man darf die hier auf keinen Fall alleine lassen. Es sind bei anderen schon die kuriosesten Dinge weggekommen. Diese Menschen können alles brauchen. Witzig aber ist, dass manche Firmen nicht mal ihr Werkzeug dabei haben. Dann müssten sie wieder weg, um es zu holen. Gut dass wir schon Leiter, Schraubenzieher, Taschenlampe und sowas daheim haben. Sonst wäre alles noch viel langsamer gegangen.

Mittwoch Abends gehe ich jetzt immer zum Ladys Stammtisch. Letztens waren da 4 Deutsche, eine Österreicherin, eine Afghanin und eine Belgierin. Das tut gut, ich komm raus und man bekommt viele Infos und Ratschläge.

So war ich schon bei einigen Grillpartys oder Kaffeekränzchen. Mit den richtigen Kontakten erfährt man auch, wo man Deutsches Brot und sogar Brezen kaufen kann.

Brezn

… oder lieber frisches Huhn?

Am Palmsonntag waren wir in der Kirche bei uns in Roma. So kann man Gottesdienste aushalten.

Ein Auto habe ich auch gefunden.

Überhaupt bin ich stolz auf mich, was ich in der Woche, in der Leo auf einem Workshop in Siavonga am Kariba Staudamm war, alles geschaft habe. Für mich ist ja ein erstes Telefonat auf englisch schon eine Herausforderung. Ich war sogar beim Autohändler. Dazu musste ich erst mal Freunde mit Auto kontaktieren, um dort hin zu kommen. Es ist so einiges nicht so einfach und anderes wiederum geht ganz locker.

Diese komischen Früchte kommen aus Siavonga. Man schlägt die harte Schale auf den Boden. Dann kocht man das weiße Innere mit Fasern und Kernen in Milch. Absieben, zuckern und trinken. Der Installateur hat uns das erklärt. Der kommt aus der Gegend, in der die wachsen. Er war so begeistert, dass er sogar den abgesiebten Abfall gegessen hat. Das gibt Kraft, um mit einem Löwen zu kämpfen, sagt er. Schmeckt wie Joghurt Trunk ohne Geschmacksrichtung. Hat wohl viele Kohlenhydrate und darauf sind alle in Sambia scharf. Die Menschen hier müssen sehen wie sie satt werden.

Böse Zungen behaupten, wer in Sambia verhungert, muss sich dumm anstellen. Stimmt ein bisschen, denn alles wächst hier so schnell, man kann zusehen. Diese Tomaten waren beim Einzug vor vier Wochen 10cm kleine Pflänzchen.
Aber es wachsen halt keine oder kaum Kohlenhydrate.

Ostern sind wir in Livingstone bei den Victoria Falls.

Bis dann

Wir tauchen immer tiefer in die Stadt ein

Mittwoch 9.3.
Das Pool ist mittlerweile gefüllt! Jetzt fehlt hierfür nur noch der neue Filter und die richtigen Chemikalien.
Die Handwerker sind immer noch nicht fertig. Ist vielleicht ganz gut, wenn sie uns dauernd versetzen, denn es kommen immer mehr Sachen dazu. Jetzt ist das Waschbecken undicht und die Toiletten auch.

Endlich haben wir einen Laden gefunden in dem Möbel zwar immer noch teuer sind, der aber keine 3000 Euro für eine Couchgarnitur verlangt.

couch

Dazu muss man sich in die einheimischen Straßen und Viertel wagen. Man kann es ein bisschen mit Chinatown in Bangkok vergleichen, nur alles zwischen chaotischem Straßenverkehr.

Die Straßenhändler starren uns wie Außerirdische an. Aber man bekommt hier fast alles.

An der Produktpräsentation könnten sie noch arbeiten.

Natürlich zahlen wir hier auch den Weissen Aufschlag. Aber die Jungs bemühen sich sehr. Als ich z.B. eine CD mit original Sambischer Musik suchte, helfen alle zusammen und irgendwo aus Hinterhöfen treiben sie eine schlechte Raubkopie auf. Ich zahlte dann 10 Kwacha, ca 80ct, wir sind uns sicher, dass die normalerweise 1 Kwacha kostet. Aber manchmal will man gar nicht mehr handeln.

Vor 3 Tagen ist die Mutter meines Hausmädchens gestorben. Wir haben Micah (so heißt sie) und ihren Mann Mr. Zulu (unser Gärtner) zu ihr gefahren. Da staunt man nicht schlecht, wie Menschen ca. 8 km von unserer Gegend entfernt leben oder besser überleben. Wenn ich mich nicht so geschämt hätte, hätte ich euch gerne Fotos gemacht.
Jedenfalls kamen sie zwei Tage nicht wieder. Ihre Tochter Bethar war, als die Nachricht vom Tode kam, noch in der Schule. Als sie nach Hause kam, (die Familie wohnt in einem kleinen Haus auf unserem Grundstück) hat unser Wächter ihr die Nachricht überbracht. Ihre einzige Reaktion war, dass sie Angst hat, alleine im Haus zu bleiben. Sie ahnte also dass die Eltern länger weg bleiben. Natürlich durfte sie in unserem Gästezimmer übernachten. Beide Male verschwand sie gegen 5 Uhr morgens leise wie eine Katze. Als wir aufstanden, war ihr Bett gemacht und wir hörten den ganzen Tag nichts mehr von ihr. Abends zur Dämmerung saß sie wieder auf der Terrasse. Von ihr weiß ich auch, dass Kinder unter 18 bei keiner Afrikanischen Beerdigung dabei sein dürfen. Ihr müsst euch vorstellen, sie hatte 3 Tage und zwei Nächte keinerlei Kontakt zu denn Eltern. Auch unser Handy hat sie abgelehnt. Wahrscheinlich wusste sie, dass ihr Vater sowieso nicht zu erreichen sein wird.
So lernen wir immer mehr von Afrikanischen Mentalitäten und Riten.

Bis bald

Die erste Safari

Dienstag 1.3.2016

Die Arbeiten am Haus dauern an. Geduld ist nicht meine Stärke, muss ich aber noch sehr gut lernen. Anstatt dass etwas vorwärts geht, kommen immer neue Mängel dazu. Das Problem ist, dass für jede Kleinigkeit ein Handwerker drei mal kommen muss. Wenn man viel Glück hat, geht es dann halbwegs. Das Pool ist immerhin schon leer.

Aus lauter Frust, hat Leo sich gestern frei genommen. Ihm stehen zwei Umzugstage zu. Wir sind nach Chaminoka gefahren. Das ist eine kleine Anlage von ca. 40.700  qm.

Die Fahrt dorthin war wegen starkem Regen am Morgen doppelt so aufregend wie im Sommer. Eigentlich ist das nicht weit ausserhalb von Lusaka. Wegen schlechter Straße und tiefen Wasserlöchern haben wir mit dem Dienstauto, das ständig kurz vorm aufsitzen war 1 1/2 Stunden gebraucht.

Schotterpiste

Dann aber hat es sich gelohnt. Da Montags kaum Gäste da sind, hatten wir ein Safariauto, einen Fahrer und einen Führer ganz für uns allein.

Die Landschaft ist momentan sehr grün.

Diese Kinder gehen grad zur Schule. Das Reservat hat alle großen Katzen hinter Zäunen, darum ist es auch möglich darin zu wohnen. Selbst Gäste können sich Loges mieten.

Nach der Regenzeit ist alles dürr und man sieht die Tiere besser.

Zebras haben sich zu gut versteckt auch nach einer Stunde suchen haben wir sie nicht gesehen. Vielleicht im Sommer.

Bis bald

Eingezogen

Samstag sind wir eingezogen. Es ist schon etwas anderes in einem Haus zu wohnen in dem der Strom von 14 Uhr bis 22.30 Uhr weg ist als im Hotel mit Generator. Nachdem wir uns mit Taschen und Solarlampen versorgt haben, wagten wir die erste Nacht. Bei Tag besehen, hat dieses Haus so einige Macken.
Das Poolwasser z.B. muss auf alle Fälle erneuert werden. Ich habe den Verdacht, es wurde noch nie ausgewechselt. So gehe ich jedenfalls nicht hinein.
Sonntags haben wir der Vermieterin gesagt, dass sie uns einen Poolfachmann schicken soll. Heute, Montag, kam er schon vorbei. Bin mal gespannt wann die Arbeit beginnt. Bis jetzt hat er sich nur mit Mr. Sulu unterhalten. Ebenso kam auch gleich heute der Elektriker. Alle Steckdosen in der Küche gehen nicht und die Spühlmaschine auch nicht. Leider ist auch da nicht viel passiert, weil wir nämlich seit heute Morgen um 7 Uhr schon wieder keinen Strom hatten. Laut meiner Mikka kommt er auch vor 14 Uhr nicht wieder. Dann trink ich meinen Frühstückstee eben um 14 Uhr. Auch der Installateur war da.
Aus der Dusche beim Schlafzimmer tropft nur warmes Wasser. Kalt könnte man schon duschen aber Nachts ist es hier auch leicht kühl und so ist eine warme Dusche schon sehr angenehm. Wir haben ja noch eine in einem kleinen sehr abgewohnten Gästebad. Dort geht alles. Mal sehen, was noch so alles kommt.

Bis dann.

Angekommen

Hallo an alle, die Interesse an meinen Erzählungen haben. Wir sind angekommen. Noch wohnen wir im Hotel. Es ist sehr hübsch, mit einem netten Teich in der Mitte. Darin tummeln sich kleine Krokodile.
Krokodil

Das Zimmer ist sehr klein und müffelt nach Feuchtigkeit und Insektenspray.
Noch diese Woche Samstag werden wir in ein Haus ziehen, das wir glücklicherweise schon am zweiten Tag in Sambia gefunden haben. Mutandwa Road 80 b. Distrikt Roma. Achtung dies ist keine Postadresse. Die kommt noch, wenn sie beantragt ist, ich schreib das nur für Christian und andere Google Maps-Sucher. Es ist ziemlich groß, hat einen wunderschönen Garten mit vielen Bäumen. Unter anderem Bananen, Mango, Guave und Afrikaorange. Ein Gemüsebeet gibt es auch und nicht zu vergessen einen Pool.

garten
Die für mich größte Herausforderung, die ich zur Zeit sehe, sind der Gärtner Mr.Sulu und seine Frau Mikka, die mein Hausmädchen sein möchte.
Beide sprechen kaum Englisch, nur ihren Landesdialekt Nyjanga.
Da sie aber seit fünf Jahren mit ihrer 12 Jährigen Tochter auf unserem Grundstück im Gärtnerhaus wohnen, hoffen sie natürlich auf eine neue
Anstellung bei uns. Mr. Sulu kann glaube ich nur böse schauen und seine Augen sind gelb und rot unterlaufen. Dafür macht er einen guten Gärtnerjob wie man sieht. Mikka lächelt zwar, kommt aber sehr unterwürfig und somit unecht rüber. Na ja, beide bekommen natürlich die Chance sich zu bewähren. Ich muss nun lernen die große Arbeitgeberin und Misses zu sein. Ehrlich, so schön das alles auch klingt, richtig Freude macht mir das nicht. Zumal ich viele Stunden alleine im Haus bin.
Von Leos Arbeit aus wird uns ein 24 Stunden Sicherheitsdienst auferlegt, was nicht schlimm ist, weil die Firma diesen auch bezahlt. Das bedeutet ,
jederzeit sitzt ein Mann am Gartentor und hat nichts anderes zu tun, als uns das Tor zu öffnen, wann immer wir rein oder raus wollen. Das macht man bei großen Grundstücken so, damit eventuell rumlungernde Jungs wissen, dieses Haus ist jederzeit bewohnt.
Heute ist Freitag und am Abend fahren wir zu Leos Chefin, die uns einen Gard für die Nacht vorstellt.
Wir haben beschlossen, eine private Suche nach Personal zu starten, da dann die Angestellten nichts an Organisationen abgegen müssen und uns ist es nicht wichtig, dass die Jungs Uniform tragen.

Bis bald